Vor ein paar Tagen, so gegen sechs Uhr wurde ich von einem Höllenlärm wach. Der Lärm, von dem ich wach wurde, war das Geräusch von etwa zwanzig Leuten, die schreiend und an alle Wände und Türen trommelnd durch den Gang rannten. Für die ersten fünf Sekunden war ich fest davon überzeugt, dass es sich um ein Erdbeben handelt (Unbekannte Geräusche und aus dem Tiefschlaf gerissen werden verträgt sich gar nicht bei mir). Erst als ich die Stimme meiner Freundin Kristyn von draußen hörte, die im Vorbeirennen laut “Katinka, it’s Outfly!!” rief, wusste ich Bescheid. Es war endlich Outfly!

Für alle, die noch nicht von Verena wissen, was Outfly ist, hier eine kleine Erklärung: Outfly ist eine Tradition an meiner Uni, die es einmal jährlich Ende September bis Mitte Oktober gibt. Der Begriff ist eine wörtliche Ãœbersetzung des deutschen Worts “Ausflug” und bedeutet, dass an diesem Tag alle Vorlesungen für die Studenten entfallen. Statdessen gibt diverse Spiele und Aktionen auf dem Campus. Wann Outfly ist, weiß allerdings keiner vorher (es wird aber vorher immer schwer geraten und Theorien aufgestellt). Nur der Student Body President (also der Studierendenschaftspräsident.. äh, oder wie auch immer man das übersetzen will), der entscheidet, wann Outfly ist, weiß vorher Bescheid. Der Rest bekommt es erst mit, wenn um sechs Uhr morgens ein dafür ausgewähltes Team durch die Gänge lärmt. Dann heißt es schnell was anziehen und ab zur Glocke, wo sich alle versammeln, das Collegeorchester fröhliche Lieder spielt (ist mir schleierhaft, wie man morgens schon so munter sein kann, dass man Tuba spielen möchte) und wir warten bis der Präsident Hamm und Travis, der Student Body President, die Glocke läuten und offiziel verkünden, dass Outfly ist. Dann wird noch eben das beste Kostüm gekürt (manche kommen extra verkleidet) und dann geht es ab in die Mensa, wo wir von unseren Professoren das Frühstück serviert bekommen. Danach kann man machen was man will, was für 80% (mich inklusive) erstmal wieder ins Bett legen und ausschlafen heißt. Gegen Mittag bin ich dann mit Ari zum Mittagessen gegangen, was ein großes Picknick auf der Wiese ist, und danach gibt es diverse lustige Spiele, wie zum Beispiel “Sumowrestling” (siehe Bilder), Hüpfburgen, Quidditch, Frisbee-Turniere und Professoren-Versenken. ;)

Außerdem gab es dieses Jahr noch etwas Besonderes. Es gibt jedes Jahr ein Outflymotto, dieses Jahr war es “Clue” (ein Brettspiel, was bei uns glaub ich Cluedo heißt, indem man herausfinden muss, welcher Verdächtige den Mordfall begangen hat). Dementsprechend verkündete Travis am Morgen, dass bei uns auf dem Campus leider Korruption gibt und stellte sechs Verdächtige vor, die die Universitätskriminalität verursachen (dargestellt von Mitgliedern der Theatergruppe): Mr. Green, ein Chemieprofessor, der im wissenschaftlichen Gebäude seit zwei Jahren illegale Versuche durchführt, Colonel Mustard, ein Großwildjäger, der nun in der Bücherei Jagd auf Erstsemester macht, Mrs Peacock, eine Englischlehrerin, die seit mindestens einem Jahrzehnt Bestechungsgeld für Noten annimmt, Professor Plum, ein Sportlehrer, der gegen Bezahlung Footballspiele zugunsten anderer Unis beeinflusst, Mrs White, eine Studentin, die sich regelmäßig ihre guten Noten durch Sex erkauft und Miss Scarlet, die in ihrem Zimmer im Wohnheim ein Bordell betreibt. Ãœber den Tag verteilt wurde dann ein dreiteiliges Theaterstück aufgeführt, der erste Teil morgens, der zweite Mittags auf der Campuswiese und der dritte abends in der Mensa. Im dritten Teil wurde dann verkündet, dass einer der Verdächtigen Travis, den Student Body President, entführt hat. Der ist jetzt mit dem Täter irgendwo auf dem Campus versteckt und es natürlich die Aufgabe der Studenten, ihn zu finden. Daraufhin sind natürlich alle losgerannt, inklusive Ari, Arjun, Dan Borchers und mir, und haben sämtliche Räume in sämtlichen Gebäuden durchsucht. Gefunden haben wir ihn natürlich leider nicht (auch wenn ich mit Dan extra zum Observatorium rausgelaufen bin, weil er die tolle Idee hatte, dass er vielleicht da versteckt sein könnte), aber lustig war’s trotzdem. Gegen halb 9 war Travis dann wieder wohlbehalten zurück. 

(Es war übrigens Miss Scarlet.)

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